Mittwoch, 3. Januar 2018

Die Sammlung von - Peter Isler - The collection


Träumt nicht jede von uns davon, dass mal ein Buch mit wunderschönen Fotos aus unserer Sammlung herausgegeben wird? Mein Traum ist es schon immer gewesen. Da neue Techniken es mittlerweile erlauben, erfülle ich ihn mir in letzter Zeit mit selbst hergestellten Fotobüchern, wie ich hier in einem Blogbeitrag schon erzählt habe.
Peter Isler aus der Schweiz hat es nun aber geschafft, dass ein Buch über seine Sammlung im Swantje-Köhler-Verlag erscheint.

Wohnkultur 50er Jahre – Puppenmöbel
296 Seiten/pages, gebunden/hardcover
Deutsch/with extra brochure in English
69,- € (USA 82 $)
ISBN 978-3-981152494

Leider erfährt man im Vorwort nicht viel über die Person Peter Isler, wie lange er schon sammelt oder seine Motivation - seine Interessen bleiben privat. Er hat die Fotos alle selbst aufgenommen und sie bilden natürlich den Schwerpunkt. Wer selbst Fotos seiner Sammlung aufnimmt, weiß wie unglaublich schwer es ist, befriedigende Ergebnisse zu erhalten. Puppenhäuser und Puppen sind noch relativ einfach, aber gerade Puppenmöbel schwer abzulichten. Wie auch Swantje Köhler schreibt, kommen sie in einem Gehäuse meist nicht zur Geltung, man sieht sie oft nur von der Seite. So entschied sich auch Peter Isler, sie separat darzustellen. Immer mit demselben hellen Hintergrund, derselben Art der weit auseinandergezogenen Aufstellung, der etwas dunkleren Ausleuchtung und langen atmosphärischen Schatten.
Fotos aus dem Buch sieht man auf der >Verlagsseite und auf >facebook.

Was dieses Buch ist:
Ein Bilderbuch. Ein Blick in eine beeindruckende Sammlung. Inspiration und Herausforderung für jede Sammlerin. Ein Coffeetable-Buch. Das erste deutsche Buch zum Thema seit vielen, vielen Jahren. Eine Auswahl von Wohn- und Schlafzimmern, sowie Küchen, die dem Sammler Peter Isler am besten gefallen und - trotz des Buchtitels - bis weit in die Sechziger Jahre hinein reichen. Und der Auslöser für einen sehr schönen und lebhaften Abend, wenn man es zusammen mit anderen Sammlerinnen anschaut 😉. 

Was dieses Buch NICHT ist:
Ein Lexikon oder ein Nachschlagewerk - auch wenn Swantje Köhler im Anhang einige Hersteller vorstellt. Sammlerinnen, die sich eine Hilfe beim Einordnen und Anordnen ihrer Sammlung versprechen, werden enttäuscht sein. Peter Isler hat sich zwar für eine Einteilung nach Herstellern entschieden, gibt aber keine Begründungen, weder als Text noch als Katalogfoto, für seine Herstellerzuordnungen und für die Zusammensetzungen der Möbel-Ensembles.
Da die Auswahl sich nach der Vorliebe des Sammlers richtet, muss man einfach akzeptieren, dass einzelne Hersteller, Plastikmöbel oder die eher traditionellen Möbelstile dieser Zeit nicht vertreten sind.


Seit mich Swantje Köhler vor zehn Jahren zum ersten Mal anschrieb und um Fotos aus meiner Sammlung für ihr neues Puppenhausbuch der Fünfziger bat, ging es ihr um neue Erkenntnisse, d.h. vor allem im Bereich Herstellerzuordnungen und Identifizierungshilfen für Sammler. Nicht nur für  Puppenhäuser und Puppenmöbel, auch für Accessoires und Puppen. Im letzten Jahr änderte sich die Intention des Buches und es ist nun ein sehr persönliches Projekt, nämlich die Präsentation eines Teils der Sammlung Isler. Die Gründe sind einleuchtend und trotzdem war es für mich und andere Sammlerinnen zunächst eine Enttäuschung. Aber Swantje Köhler kündigte bereits einen Folgeband an und so können wir uns sogar noch auf eine zweites neues Buch zu unserem Hobby freuen!

Kommentare:

  1. Mir ist es ein Bedürfnis folgendermaßen zu ergänzen:
    Das Buch überzeugt mit dieser unglaublich umfangreichen und bis ins Detail stimmigen, hochwertigen Sammlung von Puppenstubenmöbeln der 50er Jahre. Es spricht für die Seriosität des Sammlers Peter Isler, dass er hier im Hintergrund bleibt.
    Im Kontext des musealen Sammelns geht es um Provenienz und Manufaktur, aber nicht um die Dauer der Sammelleidenschaft oder die Motivation des Sammlers.
    Die große Leistung dieses Buches ist aber das Zusammenspiel der Möbelsätze mit den Design-Ideen der 50er Jahre, verdeutlicht durch Zitate und zeitgenössische Grafik. Verstanden habe ich aus der Lektüre des Buches, wie detailgetreu die Puppenstubenmöbel-Hersteller die Ideenwelt der Möbelhersteller Ihrer Zeit aufgegriffen und in miniaturisierter Form wiedergegeben haben.
    Nach dem Lesen des Anhanges war ich hochzufrieden mit dem lexikalischen Teil des Buches. Ich habe so viel Neues erfahren, dass man den umfangreichen Recherchen von Swantje Köhler nicht dankbar genug sein kann. Die vielfältigen Katalogabbildungen machen nochmal deutlich, welch große Mühe das Zusammenstellen der vollständigen Möbelsätze bedeutet und an keiner Stelle hatte ich Zweifel, dass es sich um eindeutig dem Hersteller zugeordnete Möbel handelt, hier keine Beliebigkeit stattgefunden hat oder geschmäcklerische Ergänzungen vorgenommen wurden.
    Wenn man sich einlässt auf die „Wohnkultur der 50er Jahre“, dann entdeckt man einen Ideenpool, aus dem auch in den 60er und 70er Jahren noch geschöpft werden konnte. Wohltuend wird dies unterstützt durch eine sehr gelungene Gestaltung des Buches in Layout und Farbigkeit.
    Ich freue mich über ein ernstzunehmendes Buch, dass im Book Shop eines jeden Design-Museums eine gute Figur macht und uns zeigt, dass Spielzeug, hier die Möbel der Puppenstuben und Puppenhäuser, einen wunderbaren Zugang zur Kultur- und Ideengeschichte vergangener Zeiten ermöglicht.
    Alexandra Voytenko-Ziehe, Vorsitzende des Vereins „Historisches Spielzeug Berlin e.V.“

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  2. Liebe Frau Voytenko-Ziehe
    ich habe mich wohl missverständlich ausgedrückt. Das tut mir leid. Also jetzt deutlicher,
    ich mag dieses Buch und ich empfehle jeder Sammlerin, es zu kaufen. Schließlich gibt es seit 3 Jahrzehnten nur 3 Bücher, die sich mit unserem Hobby beschäftigen, und an allen war und ist Swantje Köhler entscheidend beteiligt.
    Warum haben Sie gedacht ich zweifle an Swantjes Fachkompetenz? Weil ich geschrieben habe, dass es kein Nachschlagewerk ist? Das stimmt doch. Es sind ein paar Hundert Fotos zu sehen und unter keinem Foto steht eine Information. Aber doch nicht weil Swantje Köhler keine Informationen zu diesen Fotos hat, sondern weil die Intention dieses Buches eine andere ist - Sie deuten eine davon ja schon an, es soll auch Nicht-Spielzeug-Sammler gefallen, denn es stellt den Design-Aspekt in den Vordergrund, die Fotos sollen sprechen und Design-Liebhaber (im Museumsshop ;) ) neugierig machen. Uns Sammlerinnen aus der Spielzeugnische herauszuholen und nebenbei auch andere Käuferschichten anzusprechen finde ich absolut lobenswert bzw. nachvollziehbar.
    Fakten, Erklärungen, Archivbilder und Begründungen unter jedem Foto sind zu diesem Zweck nicht nötig und zerstören das Seherlebnis - deshalb fehlen sie und nicht weil die Herausgeber nicht wissen, wann jedes der Möbelensemble auf den Markt kam, ob es komplett ist, welche Varianten es noch gab, wie lange es verkauft wurde und wovon es abgelöst wurde. Ein Buch mit diesen Informationen wäre ein Puppenhauslexikon geworden, heißersehnt von ein paar wenigen Sammler*innen, aber wohl leider wirtschaftlich ein Fiasko.

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  3. Sehr geehrte Frau Voytenko-Ziehe,
    Ihr oben stehender Kommentar ist beeindruckend zu lesen aber zunächst einmal aus meiner Sicht keine "Ergänzung" - wie Sie es selbst schreiben - zur Rezension, sondern die Darstellung Ihrer individuellen Wahrnehmung dieses Werkes.
    Herr Isler ist, so jedenfalls mein Kenntnisstand, Privatsammler und nicht Kurator einer institutionalisierten (musealen) Sammlung. Ein Mensch, der sammelt, hat - hoffentlich - eine Passion, hinter Passion steckt Persönlichkeit, und wie spannend wäre es gewesen, in einem Buch, das eine persönliche und nicht-museale Sammlung abbildet, einen Teil dieser Passion und Persönlichkeit entdecken zu können.
    "Von allen Motiven, die Menschen im Innersten bewegen und handeln lassen, gibt es kaum eins, das nicht seine Ursache im Sammeln hat. Durch das Anhäufen und Demonstrieren von Dingen unterschiedlichster Art gewinnen Menschen Orientierung, leben ihre Leidenschaft, aber auch ihre Eitelkeit und ihren Machttrieb aus" bescheinigt ebenso der bekannte Sozial- und Organisationspsychologe Dieter Frey. Und ja, Motivation einer Sammlerin /eines Sammlers ist damit ein für viele Lesenden ein interessanter Aspekt, ich unterstütze somit das "Leider" der Blog-Rezension ausdrücklich.
    Wenn Sie hochzufrieden mit dem lexikalischen Teil des Buches sind, ist das sehr erfreulich für Sie und noch viel mehr, wenn Sie Neues erfahren haben. Ich habe das leider nicht unbedingt, da ich diesen Blog regelmäßig verfolge, selber seit 18 Jahren - mit Leidenschaft - sammele und im regen, persönlichen und bereicherndem Austausch mit vielen Sammlerinnen stehe, um meinen Kenntnisstand ständig zu erweitern und aktualisieren. Ihr Statement "viel Neues" in diesem Kontext beeindruckt mich daher.
    Das soll auch keineswegs die Leistung von Frau Köhler schmälern, die in diesem Gebiet schon vor vielen Jahren Pionierarbeit leistete und die die anerkennenswerte Courage hat, nach all den Jahren ein weiteres Buch dem Gebiet der Nachkriegspuppenstubenmöbel zu widmen. Wohltuend für alle Sammler*innen, diese Leidenschaft.
    Es gibt sie allerdings, die punktuell falsche Zuordnungen ist diesem Buch, es ist keine "eindeutige Zuordnung" wie Sie schreiben. Die von Ihnen aufgenommene "Beliebigkeit" kann und darf man - und da haben Sie sicherlich Recht - dem Werk trotzdem keinesfalls unterstellen. Ich habe das der Rezension allerdings auch nicht entnehmen können.
    Eindeutigkeit, wie Sie sie dem Werk einräumen, wird sich allerdings keine Sammlerin und kein Sammler auf die Fahne schreiben, dazu gibt es zu viele Zweifelsfälle und - daran gemessen - zu wenig belastbare Quellen. Aber das wissen Sie als Vorsitzende eines Vereins sicherlich ebenso.
    Aber auch hier: Das Buch hat will ja kein Nachschlagewerk sein und so ist nicht zu kritisieren, dass unter den entsprechenden Fotos mögliche Hinweise auf Zweifel oder Erklärungen, warum man so und nicht anders zugeordnet hat, fehlen.
    Auch ich freue mich über diesen gut ansehbaren Bildband, der mir als Puppenstubensammlerin ein Stück der persönlichen Sammlung Isler sichtbar macht und wie viel mehr werden es noch die Designfans tun.
    "Sammlung-Borbeck"

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  4. Hallo,
    Als wir das Buch begannen, waren wir uns bewusst, dass es kontroverse Meinungen dazu geben würde und dass viele Sammler/innen mit dem Buch nicht das bekommen würden, was sie sich erhofft hatten.
    Aber denkt einmal nach, hätten die Sammler/innen wirklich gerne ein Buch gekauft, das im Groben all das wiederholt, was Die Puppenstubensammlerin hier schon geschrieben hat? All die Daten über die Möbelsätze, das stets gezeigte Schema Originale neben Händlerabbildungen, die Zuordnungsdiskussionen, die Erkennungsmerkmale der einzelnen Hersteller? Das habe sie doch alles so toll in diesem Blog.
    Mir ging es um etwas anderes. Ich wollte einmal auf all die Ideen hinweisen, die hinter den schrägen Möbelfüßen, den hohen Beinen, den mehrfarbigen Sesselgarnituren usw. usw. stehen. Mir ging es hier um das „warum“ und nicht um das „woher“ die Möbel stammen. Alles andere ist ja schon bereits bekannt.
    Mir ging es auch nicht darum, eine individuelle Sammlung zu zeigen, um einem Privatsammler eine Freude zu machen. Darum hat Herrn Islers Privatleben in dem Buch auch nichts zu suchen.
    Der Weg war anders. Ich wollte, wie Die Puppenstubensammlerin bereits gesagt hat, ein Buch über die 50er Jahre machen – schon viele, viele Jahre lang. Und ich hatte auch schon lange damit begonnen und mit großem Interesse diesen Blog verfolgt.
    Durch Zufall lernte ich dann Herrn Isler kennen und dann fügte sich alles wunderbar zusammen. Er war dabei mit Fachkenntnis und einem enormen Wissensdurst eine hochwertige, museale Sammlung aufzubauen und hatte somit genau das „Material“, das ich für das Buch brauchte. Wir hatten die gleichen Ideen, die gleiche Begeisterung – und dann war er noch der fantastische Fotograf, den ich mir immer gewünscht hatte. Und so konnten wir gemeinsam mit seiner Frau ein Konzept entwickeln, das genau dem entsprach, was mir immer vorgeschwebt hat: ein Buch zu machen, das zeigt, wie fantastisch die Puppenmöbel der 50er Jahre waren, wie exakt sie die Ideen der damaligen Zeit aufgriffen und damit experimentierten – und wie modern sie eigentlich immer noch sind.
    Ich hoffte, mit diesem Buch nebenbei auch Menschen zu erreichen, die keine Puppenmöbelsammler sind, um uns allen etwas zu helfen, nicht immer wegen unserer Leidenschaft belächelt zu werden. Die bisherigen Reaktionen auf mein Buch bei „Nichtsammlern“ lassen übrigens inzwischen auch schon Hoffnung in der Richtung aufkeimen.
    Ich wünsche allen viel Freude an dem Buch, denn das ist der eigentliche Grund, warum ich überhaupt Bücher mache.
    Viele Grüße mal nicht aus Tansania, sondern aus München

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